Samstag, 1. November 2014

Schönes Rappenalptal …. zwischen Herbst und Winter



Schönes Rappenalptal   …. zwischen Herbst und Winter

Eigentlich sollte mein heutiges Ziel der südlichste, deutsche Punkt sein. Eigentlich, ……
Eine total anders vorgestellte Radtour als Teiletappe, und die späte Abfahrt daheim ließen mir weniger Zeit, um das gesamte Vorhaben zu schaffen. Mein Ziel war es, trotz anzunehmenden Schnee auf den Höhen, mit dem Rad bis zum Ende des Rappenalptals zu gelangen, um von dort auf das Haldenwanger Eck zu gelangen. Dort, am südlichsten deutschen Punkt wollte ich bei herrlichen Wetter die Rundumsicht auf weiß bedeckte Alpenwelt genießen.
Kurz vor der Untertunnelung an der Stillach, und kurz vor der Talstelle Fastenoy stellte ich den Wagen ab. Neben dem Wald ein guter Platz um kostenlos zu parken. Von da ab radelte ich an der Stillach entlang den leichten Anstieg hinauf, vorbei an der Seilbahnstation (Fellhornbahn), und den kleinen Ortschaften wie Anatsstein , Birgsau. Endhaltepunkt auch für den aus Oberstdorf kommenden Bus. An der Wendestelle gabelt sich die Straße, links geht es zur südlichsten  deutschen Ortschaft, Einödsbach. Und rechts beginnt die Strecke hinein ins Rappenalptal.
Während vorab die Strecke trotz Steigung noch in höheren Gängen gut befahrbar war, wird es von nun an einige steile Anstiege durch dem Wald geben. Links von der Straße quält sich der Rappenalpenbach bis kurz vor dem Stillachursprung durch  felsige Schluchten.  Nun zur späten Jahreszeit, wo viel Laub gefallen ist, kann man gut zwischen den Bäumen die Abgründe und den Wasserverlauf erkennen.
Streckenweise mühsam der Aufstieg auf der kurvenreichen Straße, aber am Ende des Waldgebiets wird die Strecke wieder angenehmer und entlang des Bachs halten sich Steigungen und Senken in Grenzen. Gegenüber ist nun für Fotofreaks oberhalb des Bacherlochtals  die gigantische Felswand von der Trettach, Mädelegabel und Hochfrottspitze zu sehen sind. Vor einigen Wochen, bin ich ebenfalls bei noch tollem Herbstwetter die recht alpine Strecke dort oben entlang gelaufen. Allerdings noch ohne Schnee. Erst ging es den bekannten Weg entlang des Bacherlochs hinauf bis zum Waltenberger Haus, welches leider in diesem Herbst komplett für immer geschlossenen wurde.  An der Stelle soll eine komfortablere Hütte viel moderner entstehen. Anstatt von dort zum Heilbronner Weg, bin ich hinter der Hütte den Wiesenpfad und später alpinen Geröllweg unterhalb der Bergformation gegangen. Ziel war der Wildgundkopf, wo ich immer noch nach einen Abstieg in Richtung Trettachtal suchte. Leider fand ich ihn auch diesmal nicht, es sollte der zweite, aber gewiss nicht letzte Versuch sein.
Einödsberg, und dahinter beeindruckend die Trettachspitze und die Mädelegabl
Zurück zum heutigen Weg. Nachdem ich seit Tagen überall Schneeschmelze vernahm, in Oberstdorf lief man am heutigen 01. November teils mit kurzer Hose herum, war hier in kürzester Zeit Winter angesagt. Rundherum alles weiß, und während der Fahrt merkte ich schon den recht kalten Fahrtwind. Ein recht schmales Tal, in dem die Sonne an gewissen Stellen erst zum Mittag erscheint. Da ich vom Anstieg noch recht verschwitzt war, zwang ich mich, mehr an zu ziehen, denn im Schatten war es hier streckenweise eiskalt.
Es dauerte nicht lang, als ich hinter einigen Kurven zur Breitengehrenalpe kam. Dort erschrak ich, -hinter der Brücke zum Hof war es vorbei mit dem blanken Asphalt. Kurze Pause in der Sonne, ein Snake und überlegen, wie ich nun weiter mache. Den Plan mit dem Höhenanstieg konnte ich knicken, denn laut Schild war es von nun an immer noch über eine halbe Stunde bis zur Schwarzen Hütte, und von dort war es gewiss nochmal eine gute halbe Stunde bis zum Ende des Tals bei den wahrscheinlich widrigen Wegverhältnissen. Dann wäre es 14.00h und nichts mehr mit dem Aufstieg bezüglich der schnellen Abenddämmerung.

Da es für mich noch zu früh war, wagte ich bei Ansicht des Wegs, wenigstens die Radtour bis zum Ende durchzuführen. Einige andere Radspuren waren zu erkennen. Schiet egal, für die kommende Jahreszeit gilt für mich, egal ob kalt, ob teilweise Schnee, es wird bald die Zeit kommen, wo gar nichts mehr geht. Also, Augen zu und durch.
Ein ganz neues Fahrgefühl in meinem Leben. Streckenweise gab es eine dicke Eisschicht, loser Schnee dazu, das war zum Fahren recht griffig. Meine Laune stieg wieder und hinter der Überquerung des Rappenalpbachs wurde das Tal etwas breiter und die Sonne stieg über dem Schrofenpass etwas höher und beschien das restliche Tal. Nachdem ich an der Station der Materialbahn für die Rappenseehütte vorbei kam, wurde es schon eine recht knifflige Tour, die ich nicht jedem empfehlen möchte. Viel Feingespür und Gleichgewicht setzt es voraus, für eine Fahrradfahrt auf diesem Untergrund. Während die platten Fahrspuren  nicht so ideal waren, fuhr ich mittig auf der Eisfläche. An Steigungen konnte ich nur vorsichtig beschleunigen, denn bei jedem durchdrehen des Hinterrads blieb ich stecken.
Bald vor mir gut erkennbar die geschlossene Schwarze Hütte. Ideal in der prallen Sonne zu pausieren, wie einige andere mehr die Idee hatten. 
 Aufgrund des sichtbar großen Gepäcks, fragte ich einen Vater, der mit seinen zwei Söhnen gerade zum weiter gehen packte, was das Ziel für heute wäre. Kurz und bündig nannte er die Mindelheimer Hütte. Es gibt wohl die Möglichkeiten, nicht nur im Notfall, sondern auch auf Anmeldung Schlüssel für die winterlichen Notunterkünfte dort oben zu bekommen.
Nicht schlecht, dachte ich mir, wieder was dazu gelernt, denn bei diesen noch anfänglichen Winterverhältnissen ist auf einigen Strecken mit den richtigen Materialien wirklich ein Auf- oder Abstieg machbar. Selbst bei höheren Schneelagen, meinte er, wäre es von dieser, der südlichen Seite machbar.

Nach dem informativen Plausch machte ich mich für das letzte Stück auf, wobei ich noch ein Pärchen registrierte, die wohl gleiches vorhatten, wie der Familienvater, denn neben dem großen Gepäck stellte ich auf dem Rückweg fest, das deren Fahrräder gut angekettet an Ort und Stelle noch standen.

Mein restlicher Weg war recht tückisch. Die Sonne taute die oberen Schnee- und Eisschichten an, so dass ich manches Mal tief fest fuhr. Andererseits rutschte es, und an dieser Teilstrecke ging es nun direkt am Bach entlang. Ein Fahrfehler samt hinfallen könnte bedeuten, das ich direkt in dem Bach mit eiskaltem Gebirgswasser falle.
An der Speicherhütte war dann  die Fahrt zu Ende. Hinter den Alphütten ging es über dem Haldenwanger Bach, von dort war mit dem Fahrrad nichts mehr aus zu richten. Und nicht weit davon gabelt sich der Weg, von dem es zur Mindelheimer Hütte, oder auf der anderen Seite steil an der Felswand entlang zum Schrofenpass geht. Aber hier, am Ende der Welt, mach ich Schluss auf der Hüttenbank, mit Panoramablick in der Sonne. Keine Menschenseele, so konnte ich einige Minuten die Augen schließen.
Schade, von hier wäre ich gerne bei genügend ausreichender Zeit zum angekündigten Haldenwanger Eck, auch vielleicht Haldener Kopf weiter gegangen. Aber gute 500 mtr Aufstieg waren in dieser restlichen Zeit nicht mehr machbar. Einerseits schade, denn ich bekam von Anne beim letzten Abschied vorzeitig mein Geburtstagsgeschenk. Welches halt Schneeschuhe, eine breite Unterlage für normale Wanderschuhe, waren. Die hätte ich zu gerne ausprobiert. Hier ist momentan halt an den Seiten noch nicht mit Lawinengefahr zu rechnen, weswegen ich die Tour extra so plante. Aber, eben nicht mit den Verhältnissen, um im Tal voran zu kommen, und leider war es mit dem Beginn der Tour zu spät.
Ungewöhnlich und gewiss nicht Klimagerecht, soll das Wetter in den nächsten Tagen mit Fönluft in den Bergen anhalten, so dass ich mir noch kleine Chancen für den Aufstieg in diesem Jahr ausrechne.
Die Rückfahrt ist schnell beschrieben. Nicht kurz, aber zum Glück schmerzlos. Es war fortan schwieriger zu fahren. Die Schmelze der Schnee- und Eisflächen schritt voran, das ich öfter einsackte, während die freien Asphaltstrecken tückisch gefährlich wurden. Nicht erkennbar, war ein Hauch von dünner Eisschicht, auf der man bei hohem Tempo, oder Bremsen schnell weg rutschte.  So kam es dann doch einmal dazu, das ich mich so mit dem Rad hinlegte, wobei ich froh war, das nur leichte Schmerzen wegen des Aufpralls vorhanden waren. Und, so wie es aussah, als letzter Rückkehrender im Tal ohne Empfang gewiss nicht ungefährlich.

Mehr Fotos von der Strecke könnt Ihr Euch gerne auf www.facebook.com/Bergischland.onTour anschauen.